Verantwortung tragen heißt zwischen Freiheit und Pflichten zu balancieren.

Viel wird heute, auch im Kontext von Unternehmen, über Freiheit gesprochen: Nur wer Freiheiten habe, könne auch kreativ werden und autonome Teams, die sich selbst steuern, sind beispielhaft für solche Diskussionen. Unbestritten, der Mensch strebt nach Autonomie und will nicht gegängelt werden. Wer selbstbestimmt arbeiten darf, ist in der Regel motivierter und kreativer. Was mir in vielen Beiträgen zu New Work zu kurz kommt, ist die Frage nach der Verantwortung. 

Viktor Frankl hat einmal gesagt: „Tatsächlich besteht die Gefahr, dass die Freiheit in bloße Willkür ausarten kann, wenn sie nicht in Bezug auf die Verantwortung gelebt wird. Deshalb empfehle ich, die Freiheitsstatue an der Ostküste durch eine Verantwortungsstatue an der Westküste zu ergänzen.“

Doch was bedeutet Frankls Satz im Arbeitskontext?

Was bedeutet Verantwortung im Kontext von Arbeit?

Verantwortung im Arbeitskontext bedeutet, Aufgaben und Pflichten zu übernehmen und die Konsequenzen der eigenen Handlungen zu tragen. Sie umfasst die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, Aufgaben termingerecht und in der erwarteten Qualität zu erledigen und sowohl für Erfolge als auch für Misserfolge einzustehen. Verantwortung im Arbeitsumfeld geht über das bloße Erfüllen von Aufgaben hinaus; sie impliziert eine ethische Verpflichtung gegenüber allen Stakeholdern – den Kollegen, dem Unternehmen den Kunden und anderen, die von dem Handeln des Unternehmens betroffen sind (Anwohner, die Natur, etc.). Verantwortung endet somit nicht an den Werkstoren und Bürotüren.

Verantwortung von Führungskräften: Vorbild und Entscheidungsträger

Führungskräfte tragen eine besondere Art von Verantwortung, die weit über die eigenen Aufgaben hinausgeht. Sie sind nicht nur für die Leistung ihres Teams verantwortlich, sondern auch für das Wohlbefinden und die Entwicklung der Mitarbeitenden. Ihre Verantwortung umfasst:

Entscheidungsverantwortung: Führungskräfte müssen oft schwierige Entscheidungen treffen, die weitreichende Auswirkungen haben. Dabei müssen sie die langfristigen Ziele des Unternehmens im Blick behalten und sicherstellen, dass ihre Entscheidungen ethisch vertretbar und im besten Interesse des Unternehmens und der Mitarbeitenden sind.

Verantwortung für das Team: Eine der zentralen Aufgaben einer Führungskraft ist es, ein unterstützendes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Dies beinhaltet die Förderung von Zusammenarbeit, die Entwicklung der Mitarbeitenden und die Schaffung einer Kultur der Offenheit und des Vertrauens.

Vorbildfunktion: Führungskräfte müssen durch ihr Verhalten zeigen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollten Integrität, Respekt und Engagement vorleben, um das gleiche Verhalten bei ihren Mitarbeitenden zu fördern.

Verantwortung von Mitarbeitenden: Eigeninitiative und Teamgeist

Auch Mitarbeitende tragen eine erhebliche Verantwortung, sowohl für ihre eigenen Aufgaben als auch für das Gesamtziel des Teams und Unternehmens. Ihre Verantwortung umfasst:

  • Eigenverantwortung: Mitarbeitende sind dafür verantwortlich, ihre Aufgaben effizient und gewissenhaft zu erledigen. Sie sollten proaktiv Lösungen suchen, sich selbst motivieren und kontinuierlich an ihrer beruflichen Entwicklung arbeiten.
  • Teamverantwortung: Im Team zu arbeiten bedeutet, sich für den gemeinsamen Erfolg verantwortlich zu fühlen. Dies schließt die Unterstützung von Kolleg*innen, die konstruktive Zusammenarbeit und die offene Kommunikation von Problemen und Ideen ein.
  • Verantwortung für das Unternehmen: Mitarbeitende sollten die Unternehmenswerte und -ziele im Hinterkopf behalten und durch ihre Arbeit zur Erreichung dieser Ziele beitragen. Dies kann beispielsweise die Loyalität zum Unternehmen, die Einhaltung von Vorschriften und Standards sowie den verantwortungsvollen Umgang mit Unternehmensressourcen umfassen.

Grenzen der Verantwortung: Wo hört Verantwortung auf?

Es ist wichtig zu erkennen, dass Verantwortung nicht unbegrenzt ist. Führungskräfte und Mitarbeitende müssen wissen, wo ihre Verantwortung endet und wann es notwendig ist, Aufgaben oder Entscheidungen zu delegieren oder Unterstützung anzufordern. Die Grenzen der Verantwortung können durch verschiedene Faktoren bestimmt werden:

  • Kompetenz und Zuständigkeit: Niemand kann für etwas verantwortlich gemacht werden, das außerhalb seines Wissensbereichs oder seiner Zuständigkeit liegt. Klare Rollenbeschreibungen und Zuständigkeitsbereiche helfen dabei, diese Grenzen zu definieren.
  • Ressourcen: Die Verfügbarkeit von Zeit, Personal und finanziellen Mitteln setzt der Verantwortung natürliche Grenzen. Wenn Ressourcen knapp sind, muss Verantwortung unter Umständen geteilt oder delegiert werden.
  • Moralische und rechtliche Grenzen: Verantwortung darf nicht zur Überforderung oder zu unethischem Verhalten führen. Jede*r Mitarbeitende hat das Recht, Aufgaben abzulehnen, die rechtlich oder moralisch bedenklich sind.

Wie kann Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden?

Verantwortungsbewusstsein lässt sich nicht erzwingen; es muss gefördert und kultiviert werden. Hier sind einige Strategien, um das Verantwortungsbewusstsein im Unternehmen zu stärken:

  • Klare Kommunikation: Verantwortungsbereiche sollten klar definiert und kommuniziert werden. Mitarbeitende müssen wissen, was von ihnen erwartet wird, und inwieweit sie für bestimmte Aufgaben verantwortlich sind.
  • Empowerment: Mitarbeitende sollten die Freiheit und die Mittel haben, Entscheidungen zu treffen und ihre Aufgaben eigenständig zu erledigen. Dies fördert das Gefühl der Eigenverantwortung und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  • Feedback und Anerkennung: Regelmäßiges Feedback hilft Mitarbeitenden, ihre Leistung zu reflektieren und zu verbessern. Anerkennung für gute Arbeit verstärkt das Verantwortungsbewusstsein und motiviert zur weiteren Entwicklung.
  • Weiterbildung: Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten können das Verantwortungsbewusstsein fördern, indem sie den Mitarbeitenden die Fähigkeiten und das Wissen vermitteln, die sie benötigen, um ihre Aufgaben effektiv zu erfüllen.

Warum fühlen sich manche Menschen nicht verantwortlich?

Trotz aller Bemühungen kann es vorkommen, dass sich einige Menschen nicht verantwortlich fühlen. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Unklare Zuständigkeiten: Wenn die Verantwortlichkeiten nicht klar definiert sind, kann es zu Unsicherheiten und Missverständnissen kommen, die das Verantwortungsbewusstsein schwächen.
  • Mangelnde Motivation: Ohne eine starke Motivation oder Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Zielen fehlt oft der Antrieb, Verantwortung zu übernehmen.
  • Angst vor Fehlern: Wenn Fehler hart bestraft werden, kann dies dazu führen, dass Mitarbeitende Verantwortung scheuen, aus Angst vor den Konsequenzen.
  • Fehlende Unterstützung: Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, dass sie keine ausreichende Unterstützung von ihren Vorgesetzten oder Kolleg*innen erhalten, können sie sich überfordert und dadurch weniger verantwortlich fühlen.

Fazit

Verantwortung ist im Arbeitskontext ein komplexes und vielschichtiges Thema, das sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitenden getragen wird. Es geht darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen eigenen Pflichten, Teamarbeit und Unternehmenszielen zu finden. Durch klare Kommunikation, Empowerment und Unterstützung kann das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden, während unklare Zuständigkeiten und mangelnde Motivation das Gefühl der Verantwortung schwächen können. Letztendlich trägt jede*r dazu bei, eine Kultur der Verantwortung zu schaffen, die nicht nur das Unternehmen stärkt, sondern auch das individuelle Wachstum fördert.

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