Kündigungsgespräche erfordern Haltung

Es gibt Momente im Führungsalltag, auf die dich nichts wirklich vorbereitet.
Einer davon ist der Moment, in dem du einem Menschen sagen musst, dass er seinen Job verliert.

Als junge Führungskraft stand ich genau vor dieser Situation: Ich musste meinem Team von 20 Mitarbeitenden mitteilen, dass unser Bereich geschlossen wird – und alle ihre Arbeitsplätze verlieren.
Bis heute gehört dieser Moment zu den schwierigsten meines Berufslebens.

Ich selbst war nicht betroffen. Mir wurde eine neue Stelle angeboten. Und genau das machte es noch schwerer: Ich fühlte mich, als würde ich mein Team verraten. Gleichzeitig fühlte ich mich von meiner eigenen Führungskraft allein gelassen.

Diese Erfahrung hat mich geprägt. Und sie hat mir gezeigt: Kündigungsgespräche sind nicht nur organisatorische Aufgaben – sie sind ein echter Führungs-Test.

Warum Kündigungsgespräche so herausfordernd sind

Kündigungsgespräche gehören zu den emotional anspruchsvollsten Aufgaben einer Führungskraft. Sie verlangen Klarheit, Empathie und Professionalität – gleichzeitig.

Wie also führt man ein solches Gespräch respektvoll und souverän?

1. Vorbereitung ist entscheidend

Ein Kündigungsgespräch beginnt lange vor dem eigentlichen Termin.

Klären Sie zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen:
Handelt es sich um eine verhaltens-, personen- oder betriebsbedingte Kündigung? Sind alle Voraussetzungen erfüllt?

Ebenso wichtig: Prüfen Sie Alternativen. Ist die Kündigung wirklich unvermeidbar, oder gibt es Optionen wie Versetzung, Teilzeit oder Jobsharing?

Stimmen Sie sich eng mit der Personalabteilung ab und – falls vorhanden – mit dem Betriebsrat. Idealerweise führen Sie das Gespräch gemeinsam mit HR, um rechtliche Fragen direkt klären zu können.

Planen Sie außerdem den Ablauf:

  • Wählen Sie einen passenden Zeitpunkt (häufig eignet sich der Wochenanfang)
  • Sorgen Sie für einen geschützten Raum ohne Störungen
  • Halten Sie alle relevanten Unterlagen bereit (Kündigungsschreiben, Informationen zu Abfindung, Zeugnis etc.)

Und vor allem: Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber.
Welche persönliche Situation bringt die Person mit? Welche Reaktionen sind möglich?

2. Klar, direkt und empathisch kommunizieren

Der Einstieg entscheidet über den Verlauf des Gesprächs.

Kommen Sie schnell zum Punkt – respektvoll, aber unmissverständlich. Die Botschaft sollte in den ersten Sätzen klar sein:

„Herr/Frau [Name], ich muss Ihnen leider mitteilen, dass wir uns von Ihnen trennen werden.“

Vermeiden Sie Smalltalk oder beschönigende Einleitungen. Sie schaffen nur falsche Erwartungen.

Erklären Sie die Gründe sachlich und nachvollziehbar – ohne sich in Rechtfertigungen zu verlieren. Sprechen Sie in der Ich-Form und übernehmen Sie Verantwortung.

Gleichzeitig gilt:
Geben Sie Raum für Emotionen.

Reaktionen können sehr unterschiedlich ausfallen – von Schock über Trauer bis hin zu Wut. Bleiben Sie ruhig, hören Sie aktiv zu und halten Sie die Situation aus.

Diskussionen über die Entscheidung sollten Sie jedoch nicht führen. Diese steht fest.

Stattdessen helfen Sie, indem Sie Orientierung geben:

  • Wie geht es jetzt konkret weiter?
  • Gibt es eine Freistellung?
  • Was passiert mit Urlaub, Aufgaben und Übergaben?
  • Wie und wann wird das Team informiert?

3. Unterstützung anbieten – und ernst meinen

Eine Kündigung ist ein massiver Einschnitt im Leben eines Menschen. Umso wichtiger ist es, nicht einfach „abzuschließen“, sondern Unterstützung anzubieten.

Das kann konkret bedeuten:

  • Hilfe bei der Jobsuche oder Kontakte aus dem eigenen Netzwerk
  • Informationen zu Abfindungen oder Transfergesellschaften
  • Ein wohlwollendes Arbeitszeugnis
  • Angebot, als Referenz zur Verfügung zu stehen

Entscheidend ist: Diese Angebote sollten ehrlich gemeint sein – nicht nur formale Floskeln.

4. Ein klarer Abschluss gibt Orientierung

Fassen Sie am Ende die wichtigsten Punkte zusammen und stellen Sie sicher, dass alles verstanden wurde.

Vermeiden Sie dabei Aussagen, die Ihre eigene Entscheidung relativieren („Ich sehe das eigentlich anders…“). Das sorgt nur für zusätzliche Verunsicherung.

Beenden Sie das Gespräch aktiv und vereinbaren Sie einen Folgetermin, zum Beispiel für ein Austrittsgespräch.

Danach gilt: Informieren Sie das Team zeitnah und transparent.
Unsicherheit verbreitet sich sonst schneller als jede offizielle Kommunikation.

Zeigen Sie außerdem auf, wie es weitergeht:
Wer übernimmt Aufgaben? Gibt es strukturelle Veränderungen?

Fazit: Haltung zeigt sich in schwierigen Momenten

Kündigungsgespräche werden nie leicht sein.
Aber sie können fair, klar und respektvoll geführt werden.

Für mich bleibt diese eine Erfahrung ein Wendepunkt.
Sie hat mir gezeigt, dass Führung sich nicht in einfachen Situationen beweist – sondern genau dann, wenn es wirklich schwer wird.

Und dass es am Ende vor allem um eines geht:
Menschen auch im Abschied mit Würde zu behandeln.

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