Innovation ist Handwerk – Worauf kommt es wirklich an?

Innovation ist zu 99% Transpiration und nur zu 1% Intuition. Dies wusste bereits Thomas A. Edison. Erfolgreiches Innovationsmanagement ist vor allem professionelles Handwerk. Kreativ sind alle Menschen, doch echte Innovationen erfordern mehr als einen pfiffigen Gedanken, um technisch zu funktionieren und am Markt erfolgreich zu sein.

Schauen wir doch einmal in die Innovationswerkstatt von Google und Co., um Prinzipien zu finden, was erfolgreiches Innovationsmanagement ausmacht.

Prinzip 1: Verstehe die Welt aus der Perspektive deiner Kunden

Kevin Fehling ist Sternekoch in Hamburg. Dort hat er vor drei Jahren sein Restaurant The Table eröffnet. 22 Gäste sitzen hier zusammen an einem großen geschwungenen Tisch. Damit verstieß er gegen alle bis dahin geltenden Regeln der Sternegastronomie. Wer viel zahlt, will Diskretion und ein Restaurant mit weniger als 30 Sitzplätzen rechnet sich nie. Glaubenssätze die Fehling hinter sich ließ.

Hingegen beobachtete er seine Gäste beim Betreten des Restaurants. Ob diese sich wohlfühlen, liege vielmehr an Geruch, Akustik, Temperatur, Lautstärke, Sitzgefühl, Haptik des Tisches und wie lange es dauert, bis der Gast sein erstes Champagnerglas in Händen halte. So seine wichtige Erkenntnis.

Auf dieser Grundlage lässt er seine Kreativität wirken. Dabei verknüpft er Erfahrung mit neusten Technologien, Bauchgefühl mit Timing, bewährte mit überraschenden Zutaten, Zufall mit Perfektion.

Prinzip 2: Kreiere neue Produkte und dazu passende neue Geschäftsmodelle

Reed Hastings verwandelte Netflix vom DVD-Versender zum Streaming-Abo-Marktführer. Ursprünglich startete das Unternehmen mit dem Versand von DVDs gegen eine Leihgebühr. Später gab es ein Abo-Modell. Schnelles Internet, welches über mobile Endgeräte fast überall nutzbar ist, ermöglichte es einen Streamingdienst aufzubauen. Inhalte werden somit nicht mehr heruntergeladen, sondern über das Internet konsumiert. Abo-Modelle ermöglichen die flexible Nutzung.

In bestehenden Unternehmen empfiehlt es sich deshalb, Innovationen auf der grünen Wiese, fern vom Kerngeschäft auszuprobieren. Wer will schließlich schon von der eigenen Innovation gefressen werden?

Umgekehrt behindern althergebrachte Regeln und eine über Jahrzehnte etablierte Kultur in Unternehmen oft Innovationen. Ein Kompass und Leitplanken benötigt hingegen auch jedes innovative Unternehmen. Sinnhafte Arbeit, eine Vision, daraus abgeleitete Ziele und regelmäßiges Feedback von vertrauensvollen sowie kompetenten Kollegen sind hierbei unverzichtbare Zutaten für den Innovationserfolg.

Innovation gelingt stets dann, wenn Führungsteams weit in die Zukunft schauen können, ohne dabei gleich die Gegenwart zu zerstören. Dazu gehört es auch, den Mitarbeitern den Freiraum zu geben, Ideen auszuprobieren.

Prinzip 3: Es geht nicht darum schnell zu scheitern, sondern schnell zu lernen.

Obi Felten leitet bei Alphabet, der Google-Mutter, den Inkubator X, eine der erfolgreichsten Innovationsschmieden weltweit. Ihr Job besteht vor allem darin, den technikverliebten Ingenieuren so viele Hindernisse wie möglich in den Weg zu legen und Fragen zu stellen, an die diese nicht denken, z.B. welche Gesetze es gibt, die etwas erlauben oder verbieten.

Wer einen Affen trainieren möchte, auf einem Sockel zu stehen und Shakespeare zu zitieren, sollte nicht mit dem Sockelbau anfangen, sondern versuchen, dem Affen das Zitieren beizubringen. Dann erübrigt sich wohl der Sockelbau.

Die härtesten Probleme müssen immer zuerst gelöst werden.

Gelingt dies nicht, sollte ein Projekt eingestellt werden.

Damit Innovationen entstehen, müssen hunderte von Ideen in den Innovationstrichter gekippt werden. Quantität ist der sicherste Weg zu Qualität. Beethoven komponierte 65o Musikstücke, von denen nur wenige in Erinnerung geblieben sind.

Es empfiehlt sich zu Beginn eines Innovationsprojektes Scheiter-Kriterien zu definieren. Bei X nennen sie es Pre-Mortem-Dokument. Führungskräfte geben dabei den Mitarbeitern stets die Sicherheit, dass es ein Leben nach dem Scheitern gibt. Wer eine Idee begräbt, bekommt einen Sticker mit einem abgebildeten Papierknäuel.

Doch welche Ideen verfolgen wir weiter? Wir selbst sind zumeist die schlechtesten Richter über unsere Ideen. Schließlich haben wir Energie in unsere Ideen investiert und es fällt uns schwer diese nun zu verwerfen. Laut Adam Grant, Organisationspsychologe von der Wharton School, ist es am besten zunächst ein Feedback von Kollegen derselben Hierarchiestufe einzuholen. Zum einen haben sie den nötigen Abstand zur Idee und zum anderen im Gegensatz zum Vorgesetzten nichts zu verlieren.

Eine weitere Entscheidungshilfe kann eine Liste mit 10 Lösungsideen zu einer konkreten Problemstellung sein. Die Lösungsideen werden dann mit einem Punktesystem bewertet und am Ende nimmt man die zweitbeste Idee. Diese verspricht in der Regel den größten Erfolg, da man nicht zu verliebt in sie ist und sie damit nicht falsch einschätzt und dennoch bringt man genügend Leidenschaft mit, diese umzusetzen. Wenn man dann seinen Chef für seine Idee gewinnen will, sollt man laut Grant sowohl Vor- als auch Nachteile aufzählen, da dies glaubwürdiger wirkt, als eine reine Aufzählung von Vorteilen.

Prinzip 4: Innovationen dienen einem Ziel

Innovationen sind nie Selbstzweck. Sie müssen stets Zielen dienen. Eine klimaneutrale Individualmobilität sicher zu stellen, könnte ein solches Ziel für die Automobilindustrie sein. Dies bedeutet aber auch, dass Innovationen nicht disruptiv, im Sinne der großen kreativen Zerstörung á  la Joseph Schumpeter, sein müssen. Vielmehr sind viele Innovationen, die wir heute als bahnbrechend bezeichnen, Ergebnisse evolutionärer Prozesse.

Alle Annahmen grundsätzlich infrage zu stellen, empfiehlt Paul Graham, Gründer des Start-up Programms Y-Combinator. Die besten entstünden, seiner Meinung nach, wo schon mal jemand hingesehen habe, bloß nicht genau genug.

So hat Pat Brown, Biochemie-Professor aus Stanford, sich bei der Beschäftigung mit dem Klimawandel die Frage gestellt, ob ein Burger denn von einem toten Tier stammen muss. Seine Hackmasse, die er mit seinem Start-up Impossible Food vertreibt besteht aus Pflanzen, gleicht auf molekularer Ebene tierischem Fleisch und „blutet“ im Rohzustand sogar.

Innovative Menschen nehmen, was ihnen zur Verfügung steht, und setzen es zu etwas Neuem zusammen. Dabei suchen sie nicht nach der einen einzig richtigen Antwort, sondern nähen einen Flickenteppich aus unendlich vielen Möglichkeiten.

Prinzip 5: Sorge für Vielfalt

Wenn ich Design Thinking Workshops moderieren soll, gebe ich meinem Auftraggeber immer eine Hausaufgabe zur Vorbereitung des Workshops auf: Stelle ein multidisziplinäres Team zusammen, mit welchem ich dann arbeiten darf. Hole Menschen aus unterschiedlichen Bereichen mit unterschiedlichen Erfahrungen und mit unterschiedlichem Hintergrund, was Ausbildung, Wissen, Alter, Herkunft, etc. anbelangt, zusammen.

Gleichheit macht klein. Die kognitive Diversität hingegen gilt in der Innovationsforschung als unabdingbar, wenn Unternehmen in einer sich ständig wandelnden Umwelt nicht untergehen sollen. Laut Anita Williams, Professorin an der Tepper School of Business, gibt es kaum noch Probleme, die allein aus der Perspektive einer einzigen Disziplin gelöst werden können.

Das Innovationshandwerk ist Teamarbeit!

Wer mehr über Design Thinking erfahren möchte, ist herzlich eingeladen an unserem Intensiv-Workshop am 12.7. in Karlsruhe teilzunehmen.

Weitere Infos hier: Design Thinking

1 Kommentar zu „Innovation ist Handwerk – Worauf kommt es wirklich an?

  1. Ein sehr interessanter Artikel! Danke!

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